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19.11.01
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Heute heißt es: Ran an die Chemo und weg mit dem Krebs. Das klingt einfach
und irgendwie gab mir diese Devise den Mut dazu, einigermaßen gefasst und
ruhig zum Krankenhaus zu fahren. Zwischen halb 9 und 9 Uhr sollte ich mich
dort melden. Meine Frau und ich sind gegen 8 Uhr von zu Hause losgefahren.
Ich saß am Steuer, denn ich wusste ja nicht wann ich mal wieder Auto fahren
durfte oder könnte. Als wir am Krankenhaus ankamen, musste ich mir doch
noch mal eine Zigarette anstecken, auch wenn es meine Frau nicht gerne sah.
Vielleicht wird es ja meine letzte sein. genaues weiß man nicht. Ich habe
diese Zigarette zumindest lange genossen, denn irgendwie wollte ich nicht so
schnell ins Krankenhaus. - Aber was muss das muss - Also nichts wie rein und
ab auf die Station. Dort erwartete man mich bereits, denn mein behandelnder
Arzt hatte mich bereits angemeldet. Ich sollte auf ein Vier-Bett-Zimmer,
ein lustiges Zimmer. Wie sich im Laufe des Tages herausstellte,
war ich vorerst der einzige Krebspatient auf dem Zimmer. Es war ein tolles
Zimmer mit drei Bettgenossen, die alle gut drauf waren. Ich begann mich,
nach längerem Zögern, allmählich um zu ziehen. Erst als ich meinen
Schlafanzug anhatte, war mir bewusst: Jetzt geht´s los. Nach ein paar
Untersuchungen kam dann endlich der Arzt und legte mir den Zugang an meinen
rechten Arm. Mittlerweile war es etwa 12 Uhr, und ich bekam meinen ersten
Tropf. Im Laufe des Tages waren es noch einige: Zunächst 3 Tropfe (á 0,5
Liter) Kochsalzlösung, dann 250 ml Flüssigkeit gegen eventueller
Übelkeit, dann anschließend 1 Liter Chemo (gemischt mir Cortison und
anderem Zeug), anschließend eine Spritze mit CHEMO, danach 250 ml irgendein
Mittel zum Aufbau meiner PH-Werte, und anschließend noch einmal 4 Tropfe
(á 0,5 Liter) Kochsalzlösung . Ich nahm das alles irgendwie hin,
schließlich will ich doch wieder gesund werden. Es war allerdings bereits
23 Uhr als endlich der letzte Tropf abgenommen wurde. Anschließend wurde
noch gewogen und dann durfte ich endlich schlafen.
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20.11.01
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Am nächsten Morgen ging es relativ flott. Um 7 Uhr hieß
es wecken, Blutabnehmen, wiegen und gegen 8 Uhr kam das Frühstück. Um 10
Uhr ließ ich mich wieder anklemmen. Heute bekam ich übrigens weniger verpasst
als gestern, denn ich bekam keine CHEMO-Spritze. Ich war auch relativ
schnell wieder abgekapselt, immerhin nach 9 Stunden war die Prozedur vorbei.
Vergeblich wartete ich auf die ganzen Nebenwirkungen, dennoch war ich froh,
dass ich keine Übelkeit hatte oder irgendeine andere nicht bekömmliche
Nebenwirkung. Dafür sorgten schon die Ärzte und das Personal das es mir
gut ging. Zum Beispiel die Schwestern und Pfleger. Sie kümmerten sich
wirklich um mich. Fragten immer wieder wie es mir geht und hätten mir noch
weitere Medikamente gegeben um mir die Chemo so erträglich wie möglich zu
machen. Bereits nach 2 Tagen war mir klar, mit Hilfe des Personals, meiner
Familie und meinen Freunden und Bekannten werde ich die Chemo durchstehen.
Das war schon Grund genug um mich selber aufzubauen. Meine Gedanken waren
positiv und das tat mir und meinen Körper gut. Trotzdem gab es heute 2
Schocker. der erste kam beim wiegen. An diesem Tag hatte ich 6 Kilo
zugenommen. Obwohl ich fiel Wasser lassen musste, hatte mein Körper
anscheinen nicht alle Flüssigkeit verloren. Der zweite Schock kam als ich
mich im Spiegel betrachtete. Den ganzen Tag hatte ich schon das Gefühl, das
irgendwas nicht mit meinen Augen stimmen würde. Und im Spiegel kam dann die
Bestätigung. Nicht nur meine Augen waren dick, auch sonst war alles dick im
Gesicht, so richtig schön aufgedunsen. Es dauerte eine Weile bis ich mich
vom Schock erholt hatte. Anschließend war ich schon wieder zu
Scherzen aufgelegt. So sagte ich anderen Patienten, mit denen ich mich viel
unterhalten habe, ich könnte ja jetzt Hollywood anrufen und mich als
Schauspieler anbieten für einen zweiten Teil "Der verrückte
Professor" (Dort spielte Eddy Murphy einen Professor der von natur
aus sehr aufgedunsen war). Nun, das gefiel aber nicht den Ärzten. Am
nächsten Tag sollte ich Wassertabletten bekommen, damit mein Körper ganz
schnell wieder auf Normalgewicht kommt. Das war bisher die einzige
Nebenwirkung die sich bei mir einstellte, ansonsten blieb alles im Rahmen.
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21.11.01
bis
24.11.01
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In der Nacht hatte ich so einige Toilettengänge hinter
mir. daher war ich sehr gespannt darauf zu wissen, ob ich ein paar Pfunde
verloren habe. 2 Kilo zumindest wog ich jetzt weniger als gestern Abend.
Für die Krankenschwester ein gutes Zeichen, das mein Körper vernünftig
arbeiten würde. Sie sprach mir Mut zu und sagte mir das das völlig normal
sei. Ich würde noch genügend Wasser lassen und alles wird wieder normal.
Das beruhigte mich für´s erste. Was mich allerdings ein bisschen
beunruhigte, war die Tatsache, das ich ein wenig mit Übelkeit zu kämpfen
hatte. Diese Tatsache sorgte dafür, das ich eine Zeit brauchte, bis ich
mich wieder anklemmen ließ. Der innere Schweinehund musste zunächst
überwunden werden. Aber es musste ja sein. Also nichts wie ran an die
Flüssigkeit. Damit ich alles schnell hinter mir hatte, bin ich jedes Mal,
wenn eine Flasche leer war, zum Schwesternzimmer gegangen. Dadurch wurden
die Wartezeiten verkürzt. Damit ich aber nicht nur im bett liege um über
den besch..... Krebs nachdenken musste, habe ich mich mal wieder viel mit
anderen Patienten unterhalten. Durch meine offene Art mit dem Krebs
umzugehen, versuchte ich den anderen Mut zu machen. Gleichzeitig baute mich
das selber auf. Und irgendwie ging es mir dadurch auch besser. Das wiederum
spürte auch meine Frau, die jeden Tag besuchte (DANKE). So ging es die
nächsten Tage genauso, bis zum Freitag Abend. Eigentlich hätte ich ja
heute Abend auch nach Hause fahren können, doch ich wollte lieber noch bis
zum nächsten Morgen warten. Eigentlich müsste jetzt jeder denken, Mensch
ist der verrückt, der bleibt noch eine Nacht freiwillig im Krankenhaus.
Für mich aber war es eine Sicherheit. Sollte noch irgendwas sein, so wäre
ich direkt da. Außerdem war ich mir nicht ganz sicher, ob mein Körper
nicht verrückt spielt während der halbstündigen Heimfahrt. Immerhin hatte
ich ja noch reichlich Flüssigkeit zu mir genommen.
Fazit nach einer Woche:
Ich habe bisher alles gut überstanden, keine Nebenwirkungen haben mich in
dieser Woche belastet. Das Personal im Krankenhaus ist einfach toll und
kümmert sich nicht nur medizinisch um die Patienten sondern auch auch um
die Seele.
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