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24.11.01.

Na endlich. Die ersten 5 Tage im Krankenhaus habe ich schon mal überstanden und darf endlich wieder zu Hause schlafen. Zwar bin ich ein wenig abgeschlafft, aber ansonsten fühle mich recht gut. Tags über habe ich dementsprechend viel auf der Couch gelegen und mich ausgeruht. Als ich mich ins Bett legen wollte, merkte ich schon, das die Woche nicht ganz spurlos an mir vorüber ging. Ich konnte nicht wie bisher mich einfach so ausziehen. Ich musste mich mehrfach hinsetzen, bis ich endlich meinen Schlafanzug anhatte. Weil ich so groggy war, schlief ich auch schnell ein. Außerdem freute ich mich auf den nächsten Tag, wo wir mit der gesamten Familie zu Mittag essen wollten. Irgendwann morgens, so gegen 3 Uhr, wurde ich wach. Zum ersten Mal während der Chemo machte sich die Nebenwirkung Übelkeit bemerkbar. Ich wollte es einfach ignorieren, doch mein Körper hatte was dagegen und plötzlich ging alles sehr schnell. Der Weg zur Toilette war nicht weit und so schaffte ich es noch gerade bis dort hin. Nachdem ich mich wieder ins Bett legte, hatte ich geglaubt, das war es. Jetzt hast du eine Woche durch gestanden und zu Hause geht das mit der Würgerei los. Und richtig - gerade als ich wieder einschlafen wollte musste ich wieder rennen. So ging das dann insgesamt viermal. Um 5 Uhr schlief ich dann endlich ein und hatte anschließend Ruhe. Das Frühstück ließ ich ausfallen - irgendwie schmeckte mir nichts. Trotzdem habe ich das Mittagessen mit der Familie genossen und sogar was gegessen, obwohl alles irgendwie einheitlich schmeckte. Meine Geschmacksnerven funktionierten wohl nicht mehr richtig. Spät am Abend dachte ich mit Schrecken an die Chemospritze die ich morgen bekommen sollte. Irgendwie bekam ich panische Angst, das es mit der Übelkeit und dem Erbrechen so weiter gehen würde. 

26.11.01 bis 29.11.01

Am Morgen fuhren meine Frau und ich ins Krankenhaus um mir die Spritze setzen zu lassen. Zunächst aber hieß es Blut abnehmen um zu überprüfen, ob ich überhaupt eine Spritze bekommen durfte. Meine Werte waren allerdings so schlecht, das mir die Spritze versagt bleib. Allerdings wusste ich nicht ob mich freuen sollte oder nicht. Denn jede Verzögerung bedeutet auch gleichzeitig Verlängerung der Chemo. Ich hatte allerdings Glück, denn am nächsten Tag konnte die Spritze, trotz relativ schlechter Blutwerte, gesetzt werden. Damit konnte der der normale verlauf der Chemotherapie ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Was meine Übelkeit anging, nahm diese Nebenwirkung ab. Allerdings hatte ich Angst mich ins Bett zu legen. Ich dachte nur an die erste Nacht mit dem Erbrechen. Diese Nacht jedoch hatte ich Ruhe und habe durchgeschlafen bis zum nächsten Morgen. Ich fühlte mich sogar so gut, das ich in dieser Woche mehrfach meine Arbeitskollegen am Arbeitsplatz besuchte und selber ein wenig tat. Das tat richtig gut. 

30.11.01 bis 02.12.01

Heute war ein besonderer Tag. Einmal im Monat kommen ein paar Freunde vorbei und wir spielen zusammen einige Brettspiele. So auch heute. Ich habe mich richtig gefreut, das ich mich gut fühlte und mitspielen konnte. Da meine Haare noch so waren wie vorher, fiel es sogar kaum auf, das ich mich derzeitig mit dem Chemo  zeug voll laufen lasse. Und so hatten wir an diesem Abend richtig Spass und ich lebte mal wieder richtig auf. ich hatte sogar fast vergessen, das ich den Krebs noch in mir habe. In den nächsten beiden Tagen bin ich wieder mal arbeiten gewesen. Das war Balsam für meine Seele, denn langsam aber sich fiel mir die Decke auf dem Kopf. 

03.12.01 bis 08.12.01

Heute habe ich meine 2te Spritze bekommen. Merkwürdigerweise hatte ich das Gefühl, als wäre nichts passiert. Trotzdem - der Körper forderte so langsam seinen Tribut. Ich war nicht mehr so belastbar. Ich kam schnell aus der Puste, egal was ich auch tat. Am schlimmsten machte sich das bemerkbar, wenn ich mich umziehen wollte. Zunächst Pullover - kurze Pause, dann die Hosen - kurze Pause, usw. So dauerte das meistens 10 Minuten bis ich komplett umgezogen war. Diese Woche verlief ohne weitere Probleme. ich fühlte mich relativ gut und bin einige Male mit meiner Frau spazieren gewesen. Sogar zum Tanzen sind wir gekommen, zwar nicht so viel wie früher, aber immerhin. Es war einfach toll.

09.12.01

Heute war der Tag, auf den wir eigentlich schon länger gewartet hatten. - die Haare fallen aus -. gemerkt habe ich das am Morgen nach dem Duschen. Irgendwie sah die Duschwanne so dunkel aus. Ich hatte noch erst an Dreck geglaubt. Beim genauen hinsehen stellte ich fest, es waren Haare. Ich packte mit zwei Fingern an meinen Kopf und hatte plötzlich einige haare in der Hand. Tja, da begann sie nun -  die Zeit, in der ich lange einen glänzenden Eindruck hinterlassen werde ( mein Kopf ohne Haare glänzte halt.). Auch wenn wir, meine Frau und ich, damit gerechnet hatten, so war es trotzdem ein kleiner Schock. Bevor ich aber mit riesen Löchern am Kopf durch die Gegend renne, hatte meine Frau schon den Kurzhaarschneider in der Hand und rasierte meinen Kopf radikal. Es war schon ein komische Gefühl, so ohne Haare auf dem Kopf. Vor allem wurde mein Schädel richtig empfindlich. Nun ja, die nächsten Wochen und Monate muss ich halt Haarlos durchs Leben laufen. Und ganz ehrlich, auch wenn es ein ungewohnter Anblick war, ganz so schlecht sah das gar nicht aus. Außerdem hat es ja den Vorteil, wenn meine Frau und ich unterwegs sind braucht sie zum Kämmen keinen Spiegel mehr mit mitnehmen - Mein Glatze war der beste Spiegel. Am Abend bin ich ins Bett gegangen und war froh, den ersten Zyklus gut überstanden zu haben. Ein bisschen Bammel hatte ich schon vor dem zweiten Zyklus, denn immerhin war mein Körper bereits vergiftet und ab morgen soll ich noch mehr Gift bekommen. Ich stellte mich schon auf einen zweiten und härteren Durchgang ein.

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