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10.12.01

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit gemischten Gefühlen bin ich heute morgen mit meiner Frau zum Krankenhaus gefahren. Wird die Chemo diesmal schlimmer als beim ersten Mal? Ich hatte ja die Hoffnung, das alles genauso positiv verläuft wie beim ersten Mal. Wieder einmal kam ich auf ein Vierbettzimmer und wieder war es das gleiche Zimmer wie beim ersten mal, das fand ich gut. Auch diesmal hatte ich angenehme Zimmergenossen. Als sie mich fragten warum ich da sei und ich antwortete "KREBS", kam zunächst ein Mitleidvoller Blick von allen Dreien. Doch schnell merkten sie, das mich der Krebs nicht besiegen wird, sondern das ich gewillt bin gegen diesen Parasiten anzugehen. 
Kaum aber das ich mich umgezogen hatte und mich ins Bett gelegt hatte, ging das Grübeln wieder los. Wird es diesmal auch wieder so sein wie beim ersten Mal oder kommt es jetzt noch schlimmer. Denn mein Körper war bereits von diesem Chemozeug verseucht und hatte keine Gelegenheit sich zu erholen. Also dauerte es eine Weile bis ich dem Arzt  sagte, das er mir einen Venenzugang legen könne. Irgendwie war diesmal alles ganz anders. Ich war ziemlich unruhig und wurde immer ungeduldiger. Zur Ablenkung schaltete ich die Glotze ein und schaute mir eine Talkshow nach der anderen an. Normalerweise glotze ich die SHOWS nicht. Es bleib aber beim Versuch mich abzulenken. So richtig konnte ich mich gar nicht konzentrieren. 
Irgendwann tauchte dann der Arzt auf um mir den Venenzugang zu legen. Jetzt also geht es wieder los. Täglich 4,5 Liter Flüssigkeit durch den Tropf in meine Vene und zusätzliche 2 Liter die ich jeden Tag trinken soll. Ich fühlte mich wie ein wandelndes Fass, das immer gluckerte wenn es geschüttelt wird. Vielleicht bildete ich mir diese Geräusche auch ein, aber irgendwie hatte ich immer das Gluckergeräusch in meinen Ohren. Gut das meine Zimmergenossen früh Besuch hatten, denn dadurch kam Leben in die Bude. Mein Bettnachbar bekam besuch von seiner Tochter und deren Mann. Und diese Familie brachte auch noch Zwillinge mit, die etwa 6 Monate alt waren. Es waren herrliche Geräusche als die Kinder anfingen zu jaulen und zu schreien. Zunächst wollte sich das junge Paar für ihre Kinder entschuldigen. Aber ich wehrte ab und sagte nur, das mir das nichts ausmachen würde. Ganz im Gegenteil, dachte ich mir, je mehr von diesem Geschrei im Zimmer war, umso mehr wurde ich abgelenkt.
Gott sei Dank kam meine Frau auch früh von der Arbeit zurück um mich zu besuchen. Das verschaffte mir auch wieder ein paar Stunden der Ablenkung. Das brauchte ich diesmal. Soweit wie es ging sind wir ein bisschen spazieren gegangen - Flur auf und Flur ab - mehr saß leider nicht drin. Zum einen war ich doch reichlich geschwächt , und zum anderen war es doch sehr kalt draußen. Nachdem meine Frau gegangen ist, kam bereits das Abendessen. - Wieder eine willkommene Abwechslung -. Dementsprechend aß ich auch sehr langsam. Nach etwa eine halben Stunde war aber auch dieser Zeitvertreib vorbei. Also musste ich mir was anderes suchen. Viel blieb aber nicht. Schlafen oder in das eckige Etwas schauen und versuchen den Film, der gerade lief, irgendwie mit zu bekommen. Ich entschied mich für das letztere, denn es wird noch einige Zeit dauern, bis ich meine letzte Flasche verkonsumiert habe. Es war etwa 22 Uhr, als mir die Schwester den Stöpsel am Venenzugang rein steckte und ich mich endlich mal wieder ohne diesen komischen fahrbaren Galgen bewegen konnte. Ich ging ins Raucherzimmer um mir meine letzte Zigarette zu rauchen. Anschließend legte ich mich ins Bett, doch schlafen konnte ich noch lange nicht. 

 

11.12.01

Als um 7 Uhr die Schwestern ins Zimmer kamen um uns zu wecken, konnte ich es kaum fassen. Mir ging es gut. Ich hatte nicht ein bisschen das Gefühl von Übelkeit oder sonstigen Beschwerden. Sofort war meine Laune top. Ich war sofort voll da. Meine Ängste vom Vortag hatten sich nicht bestätigt. Scheinbar werde ich auch diesen zweiten Zyklus gut überstehen. Das sagte mir auch der Chefarzt, der heute zur Visite kam. Wir haben uns über die ein oder andere Nebenwirkung noch unterhalten, aber irgendwie war trotz der ernsten Erkrankung das Gespräch sehr locker. Was ihm sehr gut gefiel war meine Glatze. Immerhin habe ich in drei Wochen etwas geschafft, was bei ihm wohl noch ein wenig dauern wird. Mein Kopf war frei von irgendeiner hinderlichen Behaarung. Alles, außer meine Augenbrauen, war verschwunden. Aber das störte mich nicht, denn irgendwann werden diese Haare wieder kommen. Und wenn nicht, Glatze ist doch modern. 
Nach der Visite machte ich mich auf, mit meinem Galgen und dem Tropfenzähler eine Runde durch die Gegend zu marschieren. Ich konnte es kaum erwarten, bis meine Frau vorbei kommen wird um ihr mitzuteilen, das ich auch den zweiten Teil der Chemo gut überstehen werde. Da war ich mir ganz sicher. Trotzdem überkam mich immer wieder ein komisches Gefühl wenn ich andere Patienten sah. Die hatte es teilweise schlimmer erwischt als mich. Obwohl ich schon eine hammerharte Chemo "genoss", mussten sie zum Teil neben der Chemo auch noch Bestrahlungen hinnehmen. Das sah man ihnen zum Teil an. Einige ließen die Köpfe hängen und saßen irgendwo auf dem Flur und jammerten vor sich hin. Gerade mit denen habe ich mich viel unterhalten. Ihnen versuchte ich Mut zu machen und dass man alles schaffen kann, wenn man nur will. Der Wille, stark zu sein, ist mit das wichtigste. Das habe ich in den ersten Tagen gelernt. Denn nur so lässt sich die Chemo, trotz Nebenwirkungen, aushalten und auch zum Teil überlisten. Immer wieder habe ich mir selber gesagt: "Du darfst dich nicht hängen lassen, dein Körper muss sich gegen die Krankheit wehren und es darf dir auf keinen Fall schlecht werden." Das ist mir gut gelungen, also warum soll es nicht bei anderen funktionieren. Diese Einstellung habe ich auch versucht, den anderen zu erklären. Ich glaube, dass ich den ein oder anderen überzeugen konnte. Das wichtigste bei diesen Gesprächen allerdings war, das es mir selber gut tat. Denn durch diese Gespräche, das habe ich später festgestellt, habe ich als Eigentherapie gebraucht. So also sind zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen worden. Ich konnte anderen helfen und mir selbst. Irgendwann gegen 15 Uhr tauchte dann meine Frau auf und wir haben über all diese Dinge gesprochen. Auch das ich rauche, das fand sie nicht gar gut, konnte aber nichts daran ändern. Viel ist heute nicht mehr passiert - Mir ging es relativ gut und ich hatte, bis auf ein bisschen Schlappheit, keine Beschwerden.

 

 12.12.01

bis
 14.12.01

Die letzten drei Tage im Krankenhaus verliefen ohne weitere Probleme. Ich wurde von Tag zu Tag zwar immer schlapper, aber immerhin blieben die anderen negativen Nebenwirkungen aus. Das erleichterte mir den Krankenhausaufenthalt enorm. Meine Zeit am Morgen verbrachte ich, soweit es ging auf den Fluren im Krankenhaus wo ich immer wieder auf andere Leidensgenossen traf. Es gab auch welche die gerade erst erfuhren, das sie Krebs haben. Denen konnte ich ein paar Tipps geben wie sie am besten mit dieser Krankheit fertig werden könnten. Zum Beispiel die Einnahme von Homöopathischen Mitteln kann die negativen Nebenwirkungen abdämpfen oder sogar ganz einstampfen. Auch wenn die Mittel aus rein medizinischer Sicht vielleicht nicht geholfen hätten, so hat zumindest der Glaube an die Wirkung der Medikamente geholfen, mein Wohlbefinden zu verbessern. 

Fazit nach dieser Woche: 
Ich habe erneut alles gut überstanden. Die Nebenwirkungen blieben zum größten Teil aus und wie auch in der ersten Woche hat sich das Personal im Krankenhaus einfach toll um mich gekümmert (aber auch um alle anderen).

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