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| 15.10.01 |
Es war nicht mein Tag. Alles zog sich hin. Das
begann schon am morgen. Das Frühstück kam diesmal später, dann hieß es
warten, bis ich endlich zur Untersuchung konnte. Ich hatte mich darauf
eingestellt, zumindest gegen Mittag wieder essen zu dürfen. Doch da hatte
ich mich getäuscht. Gegen 13:00 Uhr kam ich erst zur Untersuchung. Ich wusste
nicht was auf mich zukam, dementsprechend war ich nervös. Als ich in den
Untersuchungsraum kam, sah ich nur das große Gerät, einen Tisch in der
Form eines Brettes, und das war es dann. Ich sollte mich auf diesen Tisch
legen. Dann wurde mir eine Nadel in den Arm gestochen. Da sollte dann der
Schlauch für das Kontrastmittel angeschlossen werden. Das macht mir
nichts aus. Ich ließ alles mit mir machen, Hauptsache der Krebs ist
irgendwann verschwunden. Während der Untersuchung wurde das
Kontrastmittel per Maschine eingespritzt. Plötzlich und unerwartet wurde
mir heiß und ich hatte das Gefühl ich müsste brechen. Ich machte mich
bemerkbar, und erst da sagte mir eine Krankenschwester, das sei völlig
normal. "Verdammt noch mal, warum sagt mir das denn keiner
vorher", das dachte ich mir nur und wollte es aber nicht aussprechen.
Ich wollte die Untersuchung nur schnellstmöglich hinter mich bringen,
damit ich endlich essen konnte. Kurz darauf war aber alles vorbei und ich konnte
ins Zimmer. Das Ergebnis hätten die Ärzte auf der Station heute
Nachmittag. Daran hatte ich meine Zweifel, denn schon einmal hatte man mir
gesagt, dann und dann sind die Sachen da, und es war dann doch nichts
vorhanden. Als ich am
frühen Abend den Arzt nach dem Untersuchungsergebnis fragte, kam die von
mir schon geahnte Antwort: "Die Bilder sind noch nicht ausgewertet.
Ich kann noch nichts sagen." Morgen sollten dann die Bilder
vorliegen. Es war schon frustrierend, nicht zu wissen, was mit einem los
ist. Nun denn, morgen ist auch noch ein Tag. Und wehe das Ergebnis liegt
nicht vor, dann..... Ich hatte schon den verzweifelten Blick des
Arztes vor mir, wie er dann versucht mir zu erklären, das noch immer kein
Ergebnis vorläge. Irgendwie kam sogar Freude auf, den Ärzten eins
auszuwischen.
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| 16.10.01 |
Normal wie immer, begann dieser Tag. Heute sollte es
sich also endlich Endscheiden wie es weitergeht. Bis ca. halb Elf war ich
noch relativ ruhig. Doch allmählich begann ich nervös zu werden. Jeden
Augenblick müsste der Arzt zur Visite reinkommen. Und tatsächlich. Er
war ausnahmsweise mal pünktlich. Das sogar mit Chef. Den Chefarzt kannte
ich bisher nur mit Namen, und zum ersten Mal bekam ich ihn zu sehen. Da
ist doch was im Busch, wenn der Chef sich persönlich ans Bett begibt. Ich
sollte mit dieser Vorahnung Recht behalten. Auf den Bildern vom CT habe
man dunkle Flecken gesehen, die man aber nicht eindeutig zuordnen könne.
Aber unterhalb der linken Niere sei ein vergrößerter Knoten gesichtet
worden. Knall - da war es wieder. Warum ausgerechnet ich. Der Krebs
war doch verkapselt, wieso also sollte ich vergrößerte Lymphknoten
haben? Ich konnte das nicht begreifen. Das müsse nichts heißen, sagte
mir der Chefarzt. Trotzdem müsse ich noch mal in die Röhre. Denn die
anderen dunklen Flecken am Dünndarm müssen genau untersucht werden. Es
könne ja eine Gewebsanomalie sein. Aber um das rauszukriegen, würde mir
eine Magensonde gelegt werden. Anschließend wird Kontrastmittel
eingespritzt und alles genau geröntgt. Das soll übermorgen passieren.
Einen Tag Ruhe würde mir man gönnen. Das wäre sonst zu anstrengend.
Damit ich mehr über den Hodenkrebs erfahren könne, brachten mir die
Schwestern im Laufe des Tages noch eine Broschüre. Damit haben sie einen
großen Fehler begangen. Denn jetzt konnte ich ganz gezielt Fragen stellen
und war kein dummer Patient mehr, der von nichts eine Ahnung hatte. das
sollten die Ärzte am nächsten Tag bereits merken. Irgendwann kam auch
meine Frau heute noch zu Besuch und wir sprachen viel über die
Möglichkeit, das ich eventuell Metastasen im Körper habe. |
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| 17.10.01 |
Es war eine unruhige Nacht. Denn immer wieder dachte
ich daran, das ich Metastasen im Körper haben könnte und dann eventuell
eine CHEMOTHERAPIE vor mir habe. GIFT in meinem Körper. Selbst die heilen
Zellen werden einfach vernichtet. Die Gedanken daran waren alles andere
als berauschend. Aber ich hatte ja noch ein Fünkchen Hoffnung. Vielleicht
war es ja nur eine Gewebsanomalie. Als die Ärzte zur Visite erschienen
begann ich mit meinem Frage-Bombardement. Was ist wenn es nicht so ist,
was ist wenn es doch so ist, wie sieht die Behandlung aus, und, und, und.
Irgendwie hatten die Ärzte das Gefühl, es wäre besser gewesen mir die
Broschüre nicht zu geben. Nun aber standen sie da und mussten wir Rede
und Antwort stehen. Endlich hatte ich das Gefühl, die Ärzte sind zwar
meine "Retter", aber trotzdem nicht die Herrscher über meinen
Körper. Auf jede Frage gab es eine Antwort. Und war eine Antwort mal ein
wenig ausweichend, habe ich sofort nach gehakt und mich nicht aus der Ruhe
bringen lassen. Eine geschlagene Stunde verbrachten die Ärzte an meinem
Bett. Wir sprachen über Chemo- oder Strahlentherapie, über eine
eventuelle operative Entfernung der Lymphknoten. Keine Möglichkeit wurde
ausgelassen. Für mich war es ein zufrieden stellendes Gespräch. Für die
Ärzte scheinbar nervig, denn als sie das Krankenzimmer verließen fiel
die Tür ein bisschen härter ins Schloss als üblich. Irgendwie fand ich
das toll aber andererseits hatte ich Angst. Ich hatte soviel Informationen
bekommen, das ich mir nachher gewünscht hätte, gar nicht soviel zu
wissen. Heute soll noch die endscheidende Untersuchung sein und dann werden
wir weitersehen.Werde ich mit einer
Strahlen- oder Chemotherapie den Krebs weiter bekämpfen? Zu dieser doch
endscheidenden Untersuchung hatte sich meine Frau Urlaub genommen und ist
früh ins Krankenhaus gekommen. Diese Untersuchung hatte es aber in sich.
Eigentlich sollte alles eine halbe Stunde dauern und dann ist es vorbei.
Ich glaub, an diesem Tag hab´ ich voll den Griff ins Klo gemacht.
Zunächst wollte die Magensonde nicht so durch meine Nase wie sie sollte.
Bis die endlich durch war, vergingen schon gute 20 Minuten. Dann konnte
endlich das Kontrastmittel eingespritzt werden. Mein Magen füllte sich
langsam. Jetzt musste alles schnell gehen. Innerhalb von 5 Minuten müsste
ich auf den CT-Tisch liegen. Das klappte auch noch ganz gut. Doch was dann
kam war alles andere als schön. Als mir ein weiteres Kontrastmittel über
die Armvene eingespritzt werden sollte, fiel die Nadel einfach aus meinem
Arm. Also einen neuen Zugang legen und dann weiter. dachte ich, denn
plötzlich hieß es: "Im Magen ist zu wenig Kontrastmittel und das
muss neu eingespritzt werden". Na ja, irgendwie müsste ich
eigentlich schon bald auseinander gehen, bei soviel Flüssigkeit. Wenn es
denn sein muss, bitte schön. So langsam füllte sich wieder der Magen und
ich hatte schon das Gefühl ich explodiere, hörte der Druck plötzlich
auf. Dann aber kam das nächste Problem. Ich hätte ja eigentlich noch
über meinen Armzugang weiteres Kontrastmittel bekommen müssen. Doch ich
wurde gar nicht angeschlossen. So hörte ich nur: "Bitte nicht
erschrecken, jetzt wird das Mittel eingespritzt". Die Maschine pumpte
dreimal kräftig, doch ich bekam davon gar nichts ab. Die Schwester
kam aus ihrem kleinen Raum und klemmte mich erst einmal an. Nun sollte es
doch was werden. Trotzdem, es musste durch die Magensonde noch einmal
Kontrastmittel eingepumpt werden. Und wieder hatte ich das Gefühl, ich müsste
explodieren. Egal, da muss ich noch mal durch. Endlich! Die
Erleichterung war groß. Mehr als eine Stunde habe ich jetzt in diesem
Raum gelegen. Mehrmals hatte man mich vollgepumpt und gestochen und
irgendwann hatte ich den Kaffee auf. Meine Frau hatte draußen auf mich
gewartet. Sie wurde schon langsam unruhig. Dann endlich erschien ich.
Total abgeschlafft. Gut das sie da war, alleine hätte ich den Weg zur
Station nicht mehr machen können. Total erschöpft fiel ich ins Bett.
Irgendwann kam der Arzt um nach mir zu sehen. Er sagte noch das morgen das
Ergebnis da sei, so lange müsste ich noch warten. Dabei zapfte er mir
noch ein bisschen Blut ab. Als er das Zimmer verließ war ich froh endlich
Ruhe zu haben. Meine Frau verließ ebenfalls früh das Zimmer, denn
irgendwie war mit mir nichts mehr anzufangen. Der nächste Tag soll mir
aber ebenso keine Freude bereiten wie dieser heutige. |
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| 18.10.01 |
Heute sollte das Ergebnis
der gestrigen Untersuchung feststehen. Darauf warten musste ich allerdings
bis zum späten Nachmittag. Irgendwie war der behandelnde Arzt nicht
aufzufinden. Dann kam das, was ich nicht hören wollte: “Wir wissen immer
noch nicht was los ist. Sie haben am Dünndarm ein paar dunkle Stellen, doch
die können wir einfach nicht zuordnen. Wir müssen noch eine Angiographie
machen. Dann können wir genau feststellen, ob es sich nur um eine
Gewebsanomalie handelt oder ob die Lymphknoten erweitert sind.” “Oh Mann”, dachte ich, “doch
Lymphknotenme- tastasen? Das muss doch wohl
nicht auch noch sein?” Alles deutete jetzt auf eine Chemotherapie hin und
das wollte ich doch absolut nicht. Ich musste richtig schlucken. “Morgen dürfen
sie das Krankenhaus verlassen und in den nächsten Tagen bekommen sie den
Termin für die Angiographie”. “Warum kann ich heute noch nicht
gehen?”, habe ich den Arzt sofort gefragt. “Wir müssen noch einen
Abschlussbericht schreiben. Und wenn sie den Morgen früh haben, können sie
gehen.” “Den Bericht kann ich mir doch morgen abholen. Wenn medizinisch
keine Grund vorliegt, könne ich doch heute auch schon nach Hause. Irgendwie
hatte ich das Gefühl, der Arzt wollte oder konnte mich nicht verstehen.
Stinksauer verließ er das Zimmer und knallte sogar die Zimmertür. Jetzt
hatte ich kein Verständnis mehr für die Ärzte auf dieser Station. Also
ging ich zum Schwesternzimmer und bat darum heute noch nach Hause zu fahren.
Der Stationsarzt müsse zumindest noch zustimmen und solange solle ich noch warten,
sagte mir eine der Schwestern. Die Schwestern waren übrigens alle nett und
sehr hilfsbereit. Sie zeigten viel Verständnis für meine Situation. Gegen
18 Uhr kam dann der Stationsarzt. Irgendwie hatte der Mann Angst das ich das
Krankenhaus verlassen werde und nie wieder kommen würde. "Bin ich denn
bescheuert und setze mein Leben aufs Spiel? Ich will doch noch leben und
wenn es wirklich Krebs ist was ich habe, werde ich auch alle anderen
Behandlungen durchziehen, solange es mir nur hilft". Das dachte ich
nur, sprach es aber nicht aus, denn irgendwie hatte ich keine Lust auf lange
Diskussionen. Also sagte ich nur kurz und knapp, das ich morgen wieder
kommen würde um mein Schreiben abzuholen. Das beruhigte den Arzt nicht
unbedingt, aber er ließ mich gehen.
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