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| 09.10.01 |
Am Morgen hatte ich noch einen Termin beim Urologen. Es
musste noch Blut abgenommen und geröntgt werden. Alles verlief ohne
Probleme ab. Mittlerweile hatte ich es auch kapiert das ich Krebs habe.
Aber wahrhaben wollte ich es immer noch nicht. Meine Hoffnung war jetzt,
das der Krebs verkapselt war und eine Operation ausreichen würde. Mir war
klar das der Hoden entfernt werden musste. Werde ich jetzt impotent? Ich wusste
noch viel zu wenig über Hodenkrebs. Nach dem mir Blut abgezapft
wurde und ich geröntgt war, hatte ich noch ein langes Gespräch mit meinem
Arzt. Zunächst einmal waren die ersten Röntgenaufnahmen unauffällig.
Zumindest schien so, das meine Harnwege nicht befallen waren. Die erste
Erleichterung machte sich breit. Ich hatte noch einmal ein Glück. Der
Krebs hat noch nicht gestreut. Während des Gespräches klärte mich der
Arzt auch auf, das ich nicht impotent werde. Die Angst sei unbegründet.
Ich sagte dem Arzt, das ich so schnell wie möglich operiert werden
möchte. Noch in dieser Sekunde griff er zum Hörer und sprach mit dem
Krankenhaus. Morgen könnte ich schon unters Messer. Also heute noch rein.
ich fuhr nach Hause und sagte das meiner Frau. Ich hatte noch ein bisschen
Zeit um meine Sachen zu packen. So gegen 13.00 Uhr fuhren wir dann zum
Krankenhaus. Irgendwie war mir das alles nicht ganz geheuer. Denn ich bin
eigentlich ehr der Typ, der ein Krankenhaus lieber von außen sieht als
drin liegen muss. Noch in der selben Stunde wurde ich untersucht um für
die morgige OP vorbereitet zu sein. Es hieß noch einmal röntgen, Blut
abnehmen, wiegen und Körpergröße messen. Dann allerdings war es soweit,
das ich mich umziehen musste und mein Bett für die nächste Zeit belegte.
Als dann die Krankenschwester kam um mich zu fragen was ich denn gerne
essen würde, versuchte ich mir vorzustellen, ich sei in einem Hotel.
Damit wollte ich meine Nervosität und Angst überspielen. Das gelang mir
aber nur kurz. Denn irgendwann musste meine Frau nach Hause und von da an
war ich auf mich allein gestellt. Am Abend hat mich meine Frau noch mal
angerufen und wir haben noch über die unerledigten Dinge gesprochen die
wir in unserem Leben noch machen wollten. Wir wollten es nicht zu lassen,
das nach nur einem Jahr Zusammensein unser gemeinsames Leben schon vorbei
sein sollte. Der Tod war jetzt unser stetiger Begleiter. Irgendwann nach
unserem Gespräch war ich doch sehr müde und schlief ein.
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| 10.10.01 |
Irgendwann gegen 6.00 Uhr war ich schon wach und eine
Stunde später kamen die Schwestern ins Zimmer. Eine hatte das OP-Hemd und
noch ein paar Sachen dabei. Diese legte sie mir aufs Bett und bat mich das
anzuziehen. Außerdem gab´s noch eine Beruhigungstablette. Ich hatte mich
darauf eingestellt mindestens noch 2 Stunden zu warten bis ich dran bin.
Also nahm ich mir ein Buch und las. Ich hatte noch nicht mal 2
Seiten geschafft, da kamen zwei Schwestern und sagten :"Es geht
los". Ich war erstaunt und irgendwie erleichtert das es jetzt schon
losgeht. Bis zum OP-Saal habe ich noch alles mitbekommen, auch noch wie
mir die Narkosespritze verpasst wurde. Als ich nach der OP das erste Mal
so wach war, das ich was mitbekam, saß meine Frau schon am Bett. Ich
versuchte zu lächeln doch irgendwie schaffte ich das nicht. Ich war noch
zu sehr geschwächt. Ich habe an diesem Tag viel geschlafen. Am Abend
wollte ich das erste Mal aufstehen. Die Wunde verursachte große
Schmerzen, doch ich wollte unbedingt aufstehen. Das gelang mir aber nicht.
So musste meine Frau mich füttern. Ich fühlte mich wie so eine
hilfsloser Mensch. Aber das geht ja bald vorbei, dachte ich im selben
Augenblick. Meine Frau ist dann irgendwann mal gefahren, denn zu Hause
warteten auch noch zwei Kinder. Die hatten ein Recht auf ihre Mutter, auch
wenn ich mit Krebs im Krankenhaus liege. Gerade jetzt, in dieser Zeit brauchten sie die
Mutter mehr denn je. Denn die Kinder hatten große Angst, das es
mich vielleicht bald nicht mehr gibt. Ich musste viel an die Kinder
denken. Auch an meinen Sohn aus meiner vorherigen Ehe. Wird er mich noch
einmal sehen, bevor ????. Den Gedanken verwarf ich schnell denn das machte
mir Angst.
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| 11.10.01 |
Nach dem Wecken um 7.00 Uhr versuchte ich dann doch
aufzustehen. Nur mühselig bewegte ich mich aus dem Bett. Alles tat mir
noch weh. Aber ich wollte unbedingt aufstehen und schaffte es dann auch.
Meine ersten Gehversuchen klappten dann auch recht ordentlich. Irgendwie
hatte ich in diesem Moment vergessen, warum ich überhaupt hier im
Krankenhaus lag. Doch beim Frühstück musste ich wieder an den Krebs
denken. Hoffentlich nur verkapselt,. schoss es mir laufend durch den Kopf.
Voller Ungeduld und auch mit Angst wartete ich auf die Visite. Die kam
aber erst 2 Stunden später. Als dann der Arzt endlich zu mir kam, sagte
er: "Es ist höchstwahrscheinlich ein Seminom (ein leicht
behandelbarer Krebs). genau könne er das aber nicht sagen. Zumindest aber
hätte ich noch mal Glück gehabt und der Krebs sei verkapselt gewesen.
Zum ersten Mal hatte ich nicht mehr soviel Angst vor dem Krebs. Ich kann
schnell geheilt werden, dachte ich in diesem Moment. Doch der Arzt sagte
auch etwas davon, das der Krebs Riesenzellen hätte. Doch das bekam ich
nur nebenbei mit. Viel zu sehr freute ich mich über die gute Diagnose.
Irgendwann später registrierte ich zum ersten Mal, das mir etwas von
Riesenzellen erzählt wurde. Plötzlich hatte ich wieder große Angst.
Hatte der Krebs vielleicht doch schon mehr in meinem Körper verseucht als
nur meinen Hoden? Hatte ich vielleicht sogar schon Metastasen im Körper?
All das waren Fragen die mich quälten. Aber leider bekam ich an diesem
Tag keine Antwort darauf. Ich konnte nur mit meiner Frau darüber
sprechen Das half mir allerdings auch nicht viel, denn eine
Antwort auf meine Frage konnte sie mir auch nicht geben. Meine Frau ist
dann zwischendurch mal zum Schwesternzimmer gegangen und hat nachgefragt.
Die Schwestern konnten und durften nichts sagen, und so hieß es abwarten
bis morgen früh.
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| 12.10.01 |
Völlig ungeduldig hab ich auf die Visite gewartet.11
Uhr kamen die Ärzte, ein wenig später als sonst. Als ich nach dem Befund
fragte, sagte mir der Oberarzt, das er nichts sagen können weil die
Laborwerte noch nicht vorlägen, aber er werde versuchen bis heute
Nachmittag die Werte zu bekommen. Bis dahin hieß es nur warten.
Irgendwann gegen halb vier tauchte der Arzt wieder auf. Es täte ihm leid
aber die Pathologie habe bereits zu und sei am Freitagnachmittag keiner
mehr da. Ein wenig ungläubig habe ich den Arzt angeschaut und gesagt:
"Kann doch nicht sein. Im Krankenhaus ist doch immer jemand da. Egal
wann man kommt". Das sei in der Regel auch so, aber in der Pathologie herrsche Personalmangel und deshalb ist das Labor nicht rund um
die Uhr besetzt. Lediglich für Schnellschnitte sei jemand da, der könne
aber keine weiteren Aufgaben übernehmen. Ich müsse bis Montag warten.
Ich war schon ziemlich sauer, immerhin wollte ich wissen wie es um mich
steht, aber ich glaube keiner der Ärzte hatte sich ernsthaft mit meinem
Problem beschäftigt. Warten, warten, warten - bis Montag. Das erschien
mir wie eine Ewigkeit. Gut das es meine Frau gibt die mich täglich
besuchte und unterstützte. Mit ihr konnte ich wenigstens reden, auch wenn
es nicht immer heilsam war. Denn auch sie wollte wissen, was mit mir ist.
So blieb dann noch mein Zimmergenosse und Bettnachbar. Wir haben uns viel
unterhalten, Witze erzählt und gelacht. Das heiterte mich immer wieder
auf.
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| 13.10.01 |
An diesen beiden Tagen fühlte ich mich trotz
der ganzen Ungewissheit eigentlich ganz gut. Mit meiner Frau und den
Kindern bin ich viel Spazieren gewesen. Ich habe die Besuche meiner
Arbeitskollegen genossen, ebenso die Anrufe von vielen Freunden, die mir
immer wieder Mut machten und mich aufheiterten. Auch ich machte bereits
meine Witze. Vom Sternzeichen her bin ich Zwilling. Und nach dem mir doch
ein Hoden entfernt wurde, machte ich darüber einen Witz: "Ich
bin jetzt ein EI-IGER ZWILLING". Ich glaube dass das die richtige
Einstellung ist um mit dieser Krankheit fertig zu werden. Auch dieses
Tagebuch zu schreiben hilft mir sehr viel. Doch auf professionelle Hilfe
eines Therapeuten kann man lange warten. Irgendwie fehlt den Ärzten im
Krankenhaus das gewisse Feingefühl. Gegen ihre fachliche Kompetenz will
ich nichts sagen. Kann ich auch nicht, denn ich bin kein Mediziner.
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| 14.10.01 |
Gegen elf Uhr kamen heute die Ärzte rein. Ein
wenig später als sonst. Als der Oberarzt endlich zu mir ans Bett kam,
sagte er das Werte nun vorliegen würden, mehr nicht. Als ich schon fragen
wollte: "Und, wie sehen die Werte aus?" hatte er ganz schnell
reagiert. "Es ist ein Seminom des rechten Hodens pT3, GIII".
Das würde bedeuten, das es sich hier um ein organüberschreitendes
Seminom mit trophoblastischen Riesenzellen handeln würde. Es könnte
durchaus sein, das sich im Körper irgendwo Metastasen gebildet haben
könnten. Jetzt wollte ich mehr wissen, doch irgendwie zögerten die
Ärzte. Vom Krebsgeschwür müsse zunächst etwas in ein anderes Labor
geschickt werden um es näher zu untersuchen. Wie es mit meiner Behandlung
weitergehen würde, entscheide sich erst nach einem Röhrenbesuch, also
Computer-Tomographie. Die soll am nächsten Tag erfolgen. Vorher könne
man nichts weiter machen. Also, nichts mehr essen heute und ein
Abführmittel der besonderen Art schlucken. Denn alles musste leer sein,
und es dürfe nicht ein kleiner Krümmel mehr zu sehen sein. Die
Krankenschwester brachte kurz darauf das Mittel das ich sofort schlucken
sollte. Sie sagte noch: "In etwa zwei bis drei Stunden merken sie
was". Die Schwester hatte unrecht. Noch 10 Stunden später verspürte
ich keinen Drang zu Toilette. Darauf bekam ich noch ein weiteres Mittel.
Die Schwester gab es mir mit den Worten: "Gut Schi...". Damit
behielt sie recht. Kurz darauf rumorte es bei mir im Magen und nur wenig Zeit später war er leer. Erleichtert konnte ich dann endlich ins Bett
gehen und schlafen.
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