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| 19.10.01 |
Meine Frau und ich fuhren früh zum Krankenhaus um das
Entlassungsschreiben abzuholen. Keine 5 Minuten brauchten wir und schon
waren wieder weg. Anschließend machten wir uns auf zum Urologen. Dort
haben wir das Schreiben abgegeben. Das Gespräch mit dem Arzt
verließ alles andere als zufrieden für mich. Irgendwie nahm ich alles
nur noch in Trance war. Er sprach von eindeutigen Symptomen, die alle auf
Krebs hinweisen würden. Die Blutwerte würden auch nicht so runter
zurückgehen wie sie sollten. Ich wollte das einfach nicht wahrhaben.
Immer noch hoffte ich das das alles nicht stimmt und das nur ein böser
Traum ist aus dem ich irgendwann mal aufwachen würde. Damit nicht zu
früh mein Körper vergiftet wird, bestand ich auf eine weitere Blutprobe,
sowie erst einmal die Angiographie abzuwarten, die am Freitag den 26.10.01
sein
soll. Das Wochenende haben wir erst einmal genossen, soweit es
überhaupt möglich war.
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| 22.10.01 |
Damit alles schnell erledigt wird, war ich bereits um 8
Uhr beim Arzt. Kurz die Blutabnahme und dann wieder raus. Nichts wie weg
hier dachte ich. So langsam aber sicher konnte ich keinen Weißrock mehr
sehen. Aber ich muss da durch. Das Ergebnis soll am Mittwoch, spätestens am
Donnerstag vorliegen. Bis dahin habe ich jetzt Erholungspause - kein Arzt =
kein nerviges Ergebnis.
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23.10.01 bis
25.10.01 |
In diesen Tagen haben wir es zu Hause tatsächlich
geschafft, auch mal einen Tag ohne Krebs zu überstehen. Irgendwie tauchte
das Thema mal nicht auf. Welch eine Erleichterung. Und doch kam der
Donnerstag immer näher und so war es dann auch, das es hieß: "Die
Blutwerte sind nicht überzeugend." Klatsch - da hatte ich ihn wieder.
Den Schlag mitten ins Gesicht. Morgen muss ich noch mal ins Krankenhaus,
damit endgültig festgestellt werden kann, ob die dunklen Flecken am
Dünndarm nun Metastasen sind oder nur eine Gewebsanomalie ist. Hoffen kann
man ja.
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| 26.10.01 |
Nur wenige Stunden nach dem ich das Krankenhaus betreten
hatte, lag ich schon im Operationssaal. Durch eine Vene in der Leiste schob
der Arzt eine Kanüle durch die er Kontrastmittel einspritzte. Der Vorgang
dauerte gerade mal 30 Minuten und schon lag ich wieder auf meinem Zimmer. Da
die Wunde stark abgebunden werden musste, hatte mir der Arzt einen
Pressverband angelegt. Eine recht schmerzliche und sehr unangenehme
Verpackung. Was aber mehr schmerzte war das Ergebnis dieser Untersuchung.
Endgültig stand nun fest, das die dunklen Flecken am Dünndarm
Lymphknotenmetastasen sind. Fünf Knoten mit einer Größe von etwa drei
Zentimeter Durchmesser haben die Ärzte festgestellt.
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| 27.10.01 |
Nach Hause. Aber so richtig freuen konnte ich mich nicht.
Ich habe Krebs! Warum ich? Aber noch ist nicht aller Tage Abend und
vielleicht ist das ja alles nur eine Fehldiagnose. Irgendwie versuchte ich
mich an einen kleinen Strohhalm festzuhalten. Ich wusste aber ganz genau,
dieser Halm ist zu dünn und er wird brechen. Es war der falsche Halt den
ich suchte. Trotzdem hoffte ich auf ein Wunder. Doch das geschah nicht.
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| 30.10.01 |
Heute musste ich zum Urologen. Er sollte mir noch einmal
Hoffnung machen. Doch nichts von dem geschah. Nachdem er den Bericht vom
Krankenhaus durchgelesen hatte, sagte er mir sofort das es keine andere
Möglichkeit mehr gäbe, als mit einer Chemotherapie den Krebs zu bezwingen.
Auch er war, wie viele anderer der Weißkittel überzeugt, das ich Krebs
habe. Peng, nun ist es amtlich. Oder doch nicht. Ich wollte es nicht
wahrhaben. Bin ich denn in meinem Leben nicht genug gestraft worden. Sofort
schossen mir die Bilder von all den Krebspatienten durch den Kopf, die ich
in all den Jahren schon mal im Fernsehen gesehen habe. Das machte mir die
ganze Sache noch unsympathischer. Ich soll also meinen Körper vergiften
lassen, nur weil so ein dämlicher Krebs sich bei mir im Körper versucht
auszubreiten. Die nächsten Tage waren nicht einfach für mich. Erst recht
nicht für meine Umwelt. Ich wurde zum Teil recht ungenießbar. Ich
reagierte oft gereizt und dann eine Sekunde später wieder war ich die Ruhe
in Person.
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05.11.01
bis
14.11.01 |
Meine Frau und ich hatten die letzten Tage viel über Homopatische
Begleitung gesprochen. Da unser Hausarzt sich sehr gut damit auskennt haben
wir ihn um Rat gebeten. Er verschrieb mir einige Mittel die mir die Sache
mit der Chemo enorm erleichtern sollten. Wichtig bei allem aber ist, das man
selbst davon überzeugt ist. Und genau da lag der Hase im Pfeffer, wie man
so schön sagt. Ich bin skeptisch. Es wird schwer sein mich von
diesen Mitteln zu überzeugen. Bei einem weiteren Besuch beim Urologen saßen
wir länger als eine Stunde in seinem Zimmer. Immer wieder versuchte ich
irgendwie die Chemotherapie noch abzuwenden. Alles half nichts. Entweder ich
lasse meinen Körper vergiften oder ich habe die Chance auf ein frühes Ende
meines noch jungen Lebens erhöht. Also blieb mir nichts anderes übrig. Die
Endscheidung ist gefallen - Ich vergifte meinen Körper mit der Chemo und
hoffe auf ein noch langes Leben. Mit dieser Einstellung bin ich dann mit
meiner Frau ins Krankenhaus gefahren um dort mit dem Oberarzt den Verlauf
der Therapie zu besprechen. Das was ich da alles hörte kannte ich irgendwie
schon. Die ganzen Nebenwirkungen und alles. Da muss man erst einmal
verkraften. Ich aber begann mich dagegen zu wehren. Ich war und bin seitdem
fest überzeugt. Ich besiege den Krebs und der Krebs wird mich nicht Kleinkriegen.
Bei mir wird sich der Krebs seine Zähne ausbeißen. Auch die Chemotherapie
wird anders und viel besser verlaufen als man glaubt.
Ich habe den Kampf
aufgenommen und werde ihn gewinnen!!!!!
Drei Zyklen soll ich
durchlaufen. Zunächst 5 Tage stationär und täglich ca. 8 Stunden am
Tropf, anschließend nach Hause. Dann am achten und 15. Tag jeweils eine
ambulante Spritze. Dann noch ein paar Tage Pause und das Spielchen beginnt
von vorne. Dreimal also, bedeutet 9 Wochen Therapie. Das es länger werden
würde, damit hatte zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet.
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| 15.11.01 |
Ring frei zur Runde eins.
Da ich weiß, das mir
die Haare ausfallen können, habe ich mich entschlossen bereits heute meine
Haare richtig kurz schneiden zu lassen. Sollten die Haare dann letztendlich
ausfallen, so sind es dann nur noch kleine Stoppel und nicht ein riesiger
Büschel. (ich nenne das psychologische Beeinflussung). Außerdem versuche
ich meinem Körper mitzuteilen, das er sich nicht übergeben soll, falls die
Chemo meine Venen durchfluten wird. Auf mehr konnte ich mich bisher nicht
vorbereiten. Für mich stand lediglich fest: "Mein Körper und ich, wir
gewinnen". Ich tu es für meine Familie, meine Frau, die Kinder,
meine Schwiegereltern und die vielen Freunden und Bekannten die mir in
letzter Zeit immer zur Seite standen. All die haben einen Uwe verdient, der
noch nie aufgegeben hat und es auch diesmal nicht tut. Ich werde sie nicht
enttäuschen.
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16.11.01
bis
18.11.01 |
Dieses Wochenende nutzen wir noch einmal um so richtig
auszuspannen. Meine Frau und ich haben uns entschlossen eine gemeinsame
Freundin in Bremen zu besuchen und alles hinter uns zu lassen. Zumindest
für die nächsten drei Tage. Wir haben das Wochenende genutzt um Kraft zu
tanken für den schweren Kampf. Aber wir beide wissen, die Kraft wird
reichen.
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